Eigentlich kein Graffiti-Film

“Moebius17” ist eigentlich kein Graffiti-Film. Zumindest nicht im klassischen Sinn. Denn Züge spielen zwar eine Hauptrolle, eigentlich geht es jedoch um viel mehr. Die Story ist recht simpel, hat aber einen Haken: Zwei Sprüher gehen eine U-Bahn malen, können sie jedoch nicht mehr fotografieren und wollen das später nachholen. Der Zug taucht aber nicht mehr auf, er ist auf keiner der bekannten Strecken zu finden. Der eine von ihnen findet das äußerst dubios und geht der Sache auf den Grund. Zur Irritation seiner Mitmenschen findet er heraus, dass seine U-Bahn, die Nummer 17, aufgrund der gerade neu gebauten Querverbindung in einer Möbius-Schleife stecken geblieben sein muss. Das zieht allerlei Spekulationen und ein wenig von der Quantenphysik inspiriertes Rumphilosophieren nach sich. “Moebius17” kommt aus versierten Malerkreisen, ist aber nicht nur für Writer ein Spaß. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht und erinnert sowohl von den Perspektiven als auch von den Darstellern an längst vergangene Kino-Zeiten. Die Musik tut ihr übriges dazu. Drei Jahre hat man an ihm gearbeitet (wer vom Berliner Alexanderplatz Richtung Münzstraße fährt, wird dort nicht erst seit gestern ein Moebius17.de-Piece finden) und dementsprechend ausgefeilt ist “Moebius17” geworden. Außergewöhnlich ist, dass Arno Funke, der Dagobert-Erpresser, in einer Hauptrolle mitspielt. Klar ist, dass das nicht der erste Moebius17-Film ist (die Variationen des Tango-Themas der argentinischen Originalversion sind allerdings GEMA-bedingt im Mülleimer gelandet). Als Bonus gibt es einen halbstündigen Zusatzfilm, “The Real Moebius Hardcore“, in dem der eigentliche Film mittels berlinernder Sprüher-Pappfiguren und Pappzügen persifliert wird. “Moebius17” ist die Art von Film, die man sich öfter wünschen würde: ohne großes Finanzbudget aus Liebe zur Sache und einer Idee entstanden, gibt er ein authentisches Beispiel für das, was man gerne unter “junger deutscher Film“ aus Berlin verstanden wissen würde. Schnörkellos und trotzdem ausgefeilt ist “Moebius17” mehr als ein Beweis dafür, dass Autodidakten die flotteren Filme machen. Es sollte mehr Leute geben, die einfach mal einen Film machen.

03/2005, De:Bug, Clara Völker